Dienstag, 13. Dezember 2011

Ärztefunktionäre zur Diskussion um die Praxisgebühr
Mediziner für weitere Mehrbelastung der Patienten

Demnächst bei jedem Arztbesuch fünf oder sogar zehn EURO zahlen?
Die "Reform" der bisherigen Praxisgebühr mit Vorschlägen, die bis zur Zahlung von 5 bis 10 EURP bei jedem Arztbesuch reichen, wird weiter kontrovers diskutiert. Während das Gesundheitsministerium weiter dementiert, bisher über Alternativen zur jetzigen Praxisgebühr gesprochen zu haben, melden sich mittlerweile auch Befürworter einer weiteren drastischen Belastung der Patienten Hier eine kleine Zusammenfassungen der Meinungen:


Den ersatzlosen  Wegfall der Praxisgebühr fordert der Präsident des Sozialverbands Deutschland SoVD, Adolf Bauer. Zur aktuellen Diskussion über das Thema erklärte Bauer, die Gebühr benachteilige insbesondere chronisch kranke, behinderte und ältere Menschen. Bauer forderte außerdem den Einstieg in die Bürgerversicherung.


Bei den Ärzteverbänden gibt es unterschiedliche Meinungen zu einer "Reform" der Praxisgebühr. Letztlich haben die Ärztevertreter aber nichts gegen eine weitere Belastung ihrer Kundschaft - den Ärzten geht es vor allem darum, die Kosten nicht mehr eintreiben zu müssen.

Zwar fordern der Hartmann- und der Virchowbund ein "schnelles Ende der Praxisgebühr". Aber zur Kasse gebeten werden sollen ihrer Meinung nach die Patienten weiterhin. „An dieser Stelle kann die Politik unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, seit langem erkennbaren Unsinn auch unverzüglich zu beenden“, sagte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt.

Die Praxisgebühr habe sich als „gänzlich ungeeignet“ erwiesen, ärztliche Leistungen sinnvoll zu steuern. Stattdessen habe sie lediglich zu mehr Bürokratie in der Praxis geführt. „Das Bürokratiemonster Praxisgebühr gehört abgeschafft“, forderte auch der Vorsitzende des Verbandes niedergelassener Ärzte (NAV Virchowbund) Dirk Heinrich.

   Kassen sollen Gebühren selbst eintreiben ...   

„Wenn die Kassen zu ihrer Finanzierung auf Zuzahlungen angewiesen sind, sollen sie sie selbst erheben“, betonte er. Schließlich sei die sogenannte Praxisgebühr schon immer eine „Kassengebühr“ gewesen. „Es ist höchste Zeit, das Verfahren vom Kopf auf die Füße zu stellen und die Kassen in die Pflicht zu nehmen. Wir Ärzte sind nicht die Dienstleistungsunternehmen für Kassenverwaltungen“, sagte Heinrich.

Die Ärztefunktionäre forderten "Steuerungselemente, die stärker auf die Eigenverantwortung der Patienten zielen. „In diesem Zusammenhang muss auch über die Option einer sozial ausgewogenen Beteiligung von Patienten an den durch sie ausgelösten Leistungen gesprochen werden“, sagte Reinhardt.

„Die Politik muss endlich damit beginnen, den Menschen unmissverständlich klar zu machen, dass die Chipkarte keine Vollkasko-Versicherung bedeutet und dass an mehr Eigenverantwortung bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen kein Weg vorbeiführt“, betonte auch Heinrich.

   "Teilkasko" mit bis zu 10 EURO "Selbstbeteiligung" (pro Arztbesuch)   

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagte deder BILD-Zeitung, fünf Euro pro Besuch machten „mehr Sinn als die jetzige Gebühr“. Der Sozialexperte Thomas Drabinski brachte sogar eine Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten von bis zu zehn Prozent ins Gespräch. Das seien in der Regel fünf bis zehn Euro pro Arzttermin.

Auch der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, sagte, „als Steuerungsinstrument für weniger Arztbesuche ist die Praxisgebühr gescheitert“. Sie spüle aber immerhin jährlich rund 2,8 Milliarden Euro ins Gesundheitssystem.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Montgomery, sagte der Tageszeitung "Die Welt": „Die Praxisgebühr hat keinerlei Steuerungsfunktion, sondern verursacht nur höhere Bürokratiekosten als sie Einnahmen bringt.“ Die Ärzte begrüßten es deshalb, dass die Koalition die Praxisgebühr jetzt auf den Prüfstand stelle, sagte Montgomery.

   Montgomery: Bei allen Versicherten kassieren   

Dem Vorstoß, bei jedem Praxisbesuch künftig fünf Euro zu erheben, erteilte der Ärztepräsident eine klare Absage: „Diese Lösung wäre Unsinn und würde noch mehr Bürokratie bedeuten.“ Wenn die Koalition die Eigenverantwortung stärken wolle, sollte sie nicht beim Patienten, sondern beim Versicherten ansetzen, etwa über eine Ausweitung von Wahltarifen.

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