Samstag, 1. Oktober 2011

Elektronische Gesundheitskarte wird seit heute eingeführt
Mit Foto - aber zunächst ohne medizinische Daten

Nach jahrelangen Verzögerungen kommt sie nun tatsächlich: Die elektronische Gesundheitskarte - kurz eGK. Seit heute (1. Oktober) beginnen die Krankenkassen mit der Ausgabe der neuen Karten, die bereits 2004 grundsätzlich beschlossen wurde.Jetzt bekommen die ersten Versichereten Post von ihrer Krankenversicherung. Sie sollen ein Foto einschicken, das auf die neue eGK kommt.


Die neue elektronische Gesundheitskarte soll allen Heilberuflern verschlüsselt Einblick in alle Patienten­daten bieten – von Arztbriefen über Laborbefunde und Röntgenbilder bis hin zu den verwendeten Arzneimitteln. Die ehrgeizigen Ziele: Kosten im Gesundheitswesen sparen und die Behandlungsqualität verbessern – etwa durch Vermeidung von Doppeluntersuchungen und riskanten Medikamentenwechselwirkungen.

Vorerst enthält die neue Karte kaum mehr Infos als die bisherige Kranken­kassen­karte: Verwaltungsdaten wie etwa Name, Anschrift, Geburtsdatum und die Versichertennummer (siehe Dokumentation weiter unten). Neu sind nur das Lichtbild und auf der Rückseite der EU-Krankenschein für Auslandsbehandlungen.

   Noch keine "elektronische Fallakte"   

Nach und nach sollen dann aber auch medizinische Daten in die Gesundheitskarte einfließen. Dafür ist die Karte technisch schon ausgestattet. Ein weiterer Austausch ist also nicht nötig. Den Anfang machen werden wohl sogenannte Notfalldaten, etwa Angaben zu Allergien und eingenommenen Medikamenten für eine schnelle ärztliche Hilfe.

Auch geplant: Ein Netz zum sicheren Datenaustausch zwischen Heilberuflern sowie die „elektronische Fallakte“, die alle ärztlichen Befunde, Laborwerte und sonstigen medizinischen Daten zu einer behandelten Krankheit bündelt. Alle medizinischen Anwendungen sollen, so beteuert das Bundesgesundheitsministerium, erst auf die Karte kommen, wenn sie Praxistests erfolgreich durchlaufen haben und strenge Sicherheitsregeln einhalten. Bis die elektronische Gesundheitskarte ihrem Namen also wirklich entspricht, dürfte nochmals viel Zeit ins Land gehen.

   Foto ist Pflicht - Medizinische Daten freiwillig   

Wenn es soweit ist, können Versicherte frei entscheiden, ob sie medizinische Daten auf der Karte speichern lassen möchten. Zum Einsenden des Lichtbilds seien hingegen alle über-15-jährigen Versicherten grundsätzlich verpflichtet, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler (Die Linke). Wer sich weigert, kann demnach aber wohl erst einmal die alte Krankenkassenkarte weiter benutzen. Allerdings betont das Ministerium: Irgendwann gilt die jetzige Versichertenkarte nicht mehr. Dann müssen gesetzlich Versicherte die elektronische Gesundheitskarte vorlegen, wenn sie sich auf Kassenkosten behandeln lassen wollen.

Die Vorstandsvorsitzende Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, hat heute anlässlich der Einführung der neuen Karte die Vorzüge des neuen Systems betont: „In den kommenden Jahren wird es möglich sein, dank dieser Karte die medizinische Versorgung besser und kosten günstiger zu machen“, sagte Pfeiffer.

   Kassenärzte drängen auf baldigen Notfalldatensatz   

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Carl-Heinz Müller, warnte dagegen die Krankenkassen davor, durch Alleingänge die Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte zu erschweren. „Es ist extrem ärgerlich, wenn die Krankenkassen jetzt ausscheren und als nächstes isoliert die Online-Aktualisierung der Versichertenstammdaten vorantreiben wollen. Dadurch gerieten wichtige Projekte für die Patienten ins Hintertreffen“, sagte Müller .

Er drängt darauf, schnell die Zusatzfunktionen der neuen elektronischen Gesundheitskarte umzusetzen. „Wir brauchen den Notfalldatensatz auf der Karte, der die Behandlung in akuten Fällen erleichtern würde“, sagte Müller.

Wichtig sei auch, dass die elektronische Fallakte eingeführt wird und damit die Kommunikation zwischen Ärzten und Krankenhäusern verbessert wird. Damit könnten gerade die wichtigen Ziele der Einführung der Karte, Doppeluntersuchungen und Doppelmedikation zu verhindern, umgesetzt werden.

   Erst mal keine PIN - da noch "offline"   

Zunächst arbeitet die Karte nur im Offline-Modus und unterscheidet sich vorerst nur durch die lebenslange Versichertennummer und das Lichtbild des Patienten von der herkömmlichen Krankenversichertenkarte. Daher erhalten die Patienten auch keine PIN, da diese derzeit „niemand braucht“, erklärte GKV-Chefin Pfeiffer. Das aufgebrachte Foto für Versicherte ab einem Alter von 15 Jahren soll den Missbrauch des Kassensystems verhindern. Die Krankenkassen beklagen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe durch den „Kartenhandel am Bahnhof“, sagte der KBV-Vorsitzende.

Der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar, hat  keine Bedenken in Sachen Datenschutz. Zwar gebe es nie einen hundertprozentigen Schutz, die Gesundheitskarte komme diesem aber „weitgehend nah”, betonte Schaar. Insgesamt sei „viel mehr an Datenschutz und -sicherheit vorhanden als bei vielen anderen Projekten”.

jos

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Dokumentation:
(Quelle: Barmer GEK)



Daten auf dem Speicherchip Ihrer elektronischen Gesundheitskarte
Nr.BezeichnungBeispiel und Erläuterung
1Nachnamezum Beispiel: Glücklich
2Vornamezum Beispiel: Ulrike
3Geburtsdatumzum Beispiel: 25.08.1960 (Die Speicherung der Datumsangaben auf der Chipkarte erfolgt gegebenenfalls auf Grund technischer Einschränkungen in einem anderen Format.)
4Versicherten-IDzum Beispiel: K564784359 (Sie enthält die neue, bundeseinheitliche Krankenversichertennummer.)
5GeschlechtM = männlich, W = weiblich
6Titelzum Beispiel: Dr., Prof., Dipl.
7Namenszusatzzum Beispiel: Graf, Gräfin, Freiherr, Freifrau
8Vorsatzwortzum Beispiel: von, de, van, da, del, zu
9Wohnsitzländercodezum Beispiel: D (offizielle Kurzbezeichnung des Wohnsitzstaates)
10PLZ (Postleitzahl)zum Beispiel: 12345
11Ortzum Beispiel: Musterstadt
12Straße und Hausnummerzum Beispiel: Musterstraße 12
13Anschriftenzusatzzum Beispiel: Hinterhaus
14Wohnsitzländercode-Postfachzum Beispiel: D (offizielle Kurzbezeichnung des Wohnsitzstaates, sofern ein Postfach vorhanden ist)
15PLZ-PostfachPostleitzahl des Postfaches, sofern vorhanden
16Ort-PostfachOrt des Postfaches, sofern vorhanden
17PostfachbezeichnungNummer des Postfaches, sofern vorhanden
18Versicherungsschutz-BeginnBeginn Ihrer Mitgliedschaft, zum Beispiel: 01.01.2006 (Die Speicherung der Datumsangaben auf der Chipkarte erfolgt gegebenenfalls auf Grund technischer Einschränkungen in einem anderen Format.)
19Endet oder wird Ihr Versicherungsschutz in absehbarer Zeit unterbrochenzum Beispiel: 01.11.2011 (Bei Ableistung des Grundwehrdienstes, ist der letzte Tag Ihres Versicherungsschutzes hier eingetragen. Die Speicherung der Datumsangaben auf der Chipkarte erfolgt gegebenenfalls auf Grund technischer Einschränkungen in einem anderen Format.)
20Abrechnender-Kostenträger-NameBARMER GEK
21Abrechnender-Kostenträger-IKzum Beispiel: 104940005 (Institutionskennzeichen (IK) der BARMER GEK. Über dieses kann im Gesundheitswesen beispielsweise der Zahlungsverkehr gesteuert werden.)
22KostenträgerländercodeD (Staat, in dem der Kostenträger - in diesem Falle die BARMER GEK - seinen Sitz hat)
23WOP-Kennzeichenzum Beispiel: "01" für "Schleswig-Holstein" (Ein Abrechnungskennzeichen für Ihren Arzt.)
24
Versichertenstatus-RSA (Risikostrukturausgleich = Finanzausgleich zwischen Krankenkassen mit unterschiedlich gesunden und kranken Versicherten)
zum Beispiel: 0 (0 = Versicherter nimmt nicht an der Stichprobe teil (die (Nicht-)Zugehörigkeit zur Stichprobe erfolgt nach dem Zufallsprinzip und hat keine Auswirkungen auf die gesetzlichen Ansprüche der Versicherten), 1 = Stichprobenteilnehmer ohne Erwerbsminderungsrente, 2 = Stichprobenteilnehmer mit Erwerbsminderungsrente)
25Rechtskreis (Die Rechtskreisabgrenzung ergibt sich aus den Buchungs- und Haushaltsvorschriften des Sozialgesetzbuches und ist Begleiterscheinung unterschiedlicher Finanzkraft zwischen den alten und neuen Bundesländern. Sie hat keine Auswirkungen auf die gesetzlichen Ansprüche der Versicherten.)kann die Werte "1" (West) und "9" (Ost) enthalten und ist abhängig von Ihrem Versicherungsverhältnis
26
Versichertenart
zum Beispiel: "1" (1 = Mitglied, 3 = Familienversicherter, 5 = Rentner und ihre Familienangehörigen)
27
Besondere Personengruppe
Hier kann ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zu einer besonderen Personengruppe enthalten sein. Diese Information ist wichtig für die Abrechnung von Leistungen, für die andere Leistungsträger aufkommen müssen. Die Krankenkasse wird hier im Auftrag tätig. Standardmäßig ist hier nichts angegeben. Die übrigen Werte können der folgenden Aufzählung entnommen werden:
4 = Sozialhilfeempfänger § 264 SGB V, 6 = BVG (Gesetz über die Versorgung der Opfer des Krieges), 7 = SVA - Kennzeichnung für zwischenstaatliches Krankenversicherungsrecht (Personen aus dem Ausland mit Wohnsitz im Inland, Abrechnung nach Aufwand), 8 =   SVA - Kennzeichnung für zwischenstaatliches Krankenversicherungsrecht (Personen aus dem Ausland mit Wohnsitz im Inland, Abrechnung pauschal)


jos

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