Dienstag, 20. September 2011

Forderungen zum Welt-Alzheimertag am 21. September:
"Die Gesundheitspolitik muss sich endlich um eine bessere
Versorgung der an Demenz leidenden Menschen kümmern"

Unter dem Motto "Gesichter der Demenz" wendet sich die "Alzheimer Disease International" (ADI) zum morgigen Welt-Alzheimertag an die Politiker und fordert sie auf, endlich mehr als bisher den vielfältigen Erscheinungsformen der Alzheimer Krankheit und anderer Formen der Demenz Rechnung zu tragen. Gefordert sei eine "passgenaue medizinische Behandlung, Pflege und soziale Unterstützung" fordert heute Heike von Lützau-Hohlbeim, die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, in einer Pressemitteilung zum Welt-Alzheimer Tag.

„Wir zeigen, dass Demenzerkrankungen viele Gesichter haben, dass sowohl hochaltrige als auch relativ junge Menschen betroffen sind, dass die Krankheitsverläufe unterschiedlich sind, dass Menschen im frühen Stadium oft mit ein wenig Unterstützung noch selbstständig leben können, während im Endstadium der Krankheit oft intensive Betreuung und Pflege notwendig sind“, so von Lützau-Hohlbein,

   "Es muss in erster Linie um den kranken Menschen gehen"   

Die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft betont, es gebe noch viel zu tun. Sie erinnert daran, dass schon lange Vorschläge zur Reform der Pflegeversicherung auf dem Tisch liegen - etwa hinsichtlich einer Definition der Pflegebedürftigkeit und eines Begutachtungsverfahrens - die die speziellen Bedürfnisse Demenzkranker berücksichtigen. Die Betroffenen und ihre Angehörigen brauchen dringend bessere Betreuung, Pflege und Unterstützung.

Statt ständig nur über die Finanzierung, „privater Zusatzpflichtvorsorge“, „Kapitaldeckung“, „Demographiereserve“ oder „Demenzversicherung“ zu reden, sollten die Politiker endlich begreifen, dass es in erster Linie um die kranken Menschen geht, mahnt von Lützau-Hohlbein ein Umdenken der Politik an.

   Heilung von Alzheimer auf absehbare Zeit weiter unmöglich   

Prof. Ralf Ihl vom Vorstand der Hirnliga e. V. gab auf der heutigen Pressekonferenz zum Welt-Altheimertag zu bedenken, dass die Forschung geht zwar intensiv voranschreite und es vielversprechende Ergebnisse gebe; aber die Euphorie über eine baldig verfügbare ursachenbezogene Behandlung seien zunächst einmal verflogen. Als Forscher empfehle er dringend, alle heute schon vorhandenen Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung zu nutzen.

„Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimer-Krankheit heilen kann. Wann und ob überhaupt eine solche Arznei zur Verfügung stehen wird, lässt sich nicht vorhersagen“, so der Hirnforscher Ihl

Bei einer frühzeitigen Diagnose und rechtzeitigem Beginn der Therapie sei es möglich, den Verlauf der Alzheimer-Krankheit positiv zu beeinflussen“, so Prof. Ihl. Dabei sollen Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden. Die Therapien bewirken nachweislich eine Verlangsamung der Krankheitsentwicklung und ermöglichen den Betroffenen und ihren Angehörigen, über einen längeren Zeitraum in Selbstbestimmung und Würde zu leben. Durch eine deshalb später erfolgende Aufnahme in Pflegeheime würden zusätzlich noch Kosten gespart.

„Bei psychisch kranken Älteren, insbesondere den Alzheimer-Kranken, herrscht seitJahren eine klare medizinische Unter- und Fehlversorgung“, kritisierte der Präsident der deutschen Alterspsychiater Prof. Dr. Hans Gutzmann. „Viele Alzheimer-Patienten sind unerkannt und werden nicht behandelt. Aber auch bei jenen, die erkannt wurden, ist eine spezifische Behandlung leider nicht obligatorisch, auch kommt trotz des sehr komplexen Krankheitsbildes nur etwa jeder zehnte Alzheimer-Kranke im Laufe seiner Krankheit mit einem Facharzt in Kontakt.

   Krasse Unterversorgung auch in der Alterspsychologie    

Diese Tendenz zur Unterversorgung setze sich selbst in den Abteilungen für Alterspsychiatrie fort. Gutzmann : "Waren diese in den vergangenen Jahrzehnten Motor für eine Vernetzung und Verbesserung der ambulanten Versorgung, so können heute viele wegen fehlendem und überlastetem Personal schon länger nicht mehr mit der notwendigen Intensität und Qualität arbeiten.“

Die gemeinsame Forderung der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie, der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und der Hirnliga zum morgigen Welt-Alzheimertag am 21. September: Die Gesundheitspolitik muss sich endlich um eine bessere Versorgung der an Demenz leidenden Menschen kümmern muss.

jos

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