Donnerstag, 29. September 2011

Breite Zustimmung zu "Erklärungslösung"
Kassen sollen Versicherte über Organspende aufklären

Fast 70 Prozent der Menschen in Deutschland erklären sich bei Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur 17 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert Die Bundesärztekammer unterstützte jetzt deshalb die sogenannte Erklärungslösung, die sowohl vom Bundesgesundheitsministerium als auch von der Bundesratsmehrheit als Ergänzung des Transplantationsgesetzes gefordert wird.


Danach würden die Krankenkassen verpflichtet, bei der bevor stehenden Ausgabe der elektronischen Gesund heits karte über Organspenden zu informieren und die Versicherten aufzufordern, sich entweder für oder gegen eine Organspende zu entscheiden oder sich wahlweise die Entscheidung offen zu halten.

„Wir müssen die Menschen abholen, die sich für die Organspende aussprechen, aber ihre Bereitschaft noch nicht dokumentiert haben, zitiert das Deutsche Ärztblatt den Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery.

Der Vorstoß der Regierung deckt sich laut Montgomery in weiten Teilen mit aktuellen Vorschlägen der BÄK zur Erhöhung der Organspendebereitschaft in der Bevölkerung. „Aus unserer Sicht ist es unerlässlich, dass eine Erklärung zur Organspende regelmäßig nachgefragt wird, zum Beispiel bei der Ausgabe des Personalausweises durch staatliche Stellen oder durch die Krankenkassen“, sagte der BÄK-Präsident. Die Entscheidung könne künftig auch auf der elektronischen Gesundheitskarte vermerkt werden.

Nach den Vorstellungen des Bundesgesundheitsministers könnten gesetzliche und private Krankenversicherungen verpflichtet werden, ihre Mitglieder bei möglichst vielen Gelegenheiten zu informieren. Beispielhaft nannte er die Versendung neuer Versicherungskarten.

Die Erfahrung zeige, wenn viel für die Information getan werde, seien deutlich mehr Menschen zur Organspende bereit.

   Ergänzung zum Transplantationsgesetz oder neues Gesetz   

Die Akzeptanz der Menschen hänge aber auch davon ab, auf welchem Weg sie informiert würden. Eine Absage erteilte Bahr in diesem Zusammenhang Vorschlägen, etwa bei der Ausgabe neuer Personalausweise oder Führerscheine Formulare für einen Spenderausweis zu verteilen.

Er lehnte auch Vorschläge ab, wonach nur dann auf die Entnahme von Organen verzichtet werden soll, wenn die Person vor ihrem Tod eine Spende ausdrücklich abgelehnt hat. Eine solche Widerspruchslösung setze auf “die Faulheit der Menschen”, befand der Minister.

Offen ließ Bahr zunächst, wie er seine Vorschläge realisieren will. Eine Sprecherin sagte, diese Aspekte der Organspende könnten mit einem Änderungsantrag zum geplanten Transplantationsgesetz umgesetzt werden. Bahr kann sich laut seiner Sprecherin aber auch vorstellen, dass aus den Bundestagsfraktionen heraus ein eigenes Gesetz vorgelegt wird.

In diesem Zusammenhang kritisierte heute die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bindrstagsfraktion, Dr. Varola Reimann, Bahrbhabe wesentliche Teile seines Entwutfs aus einem von ihr für die Fraktionen erarbeiteten Entwurf “wörtlich abgeschrieben” die Parlamentarierin hatte ihren Entwurf dem Gesundheitsministerium zur rechtlichen Begutachting vorgelegt.

   Hospiz-Stiftung nennt Erklärungslösung "fahrlässig"   

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte das Eintreten Bahrs für die sogenannte Erklärungslösung bei der Organspende als „fahrlässig“. Bisher sei völlig offen, „wie Selbstbestimmung ohne umfassende Information möglich“ sein solle, erklärte Vorstand Eugen Brysch.

In Deutschland warten rund 12.000 schwer kranke Menschen auf ein Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ein auf der Warteliste aufgeführter Mensch

jos

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Sie können hier einen Kommentar schreiben - bitte mit Namensnennung
Oder schreiben Sie mir eine Mail an: 
redaktion@chronisch-leben.de