Dienstag, 10. Mai 2011

Marianne Koch: Schmerztherapie aus
dem Präparateaustausch und den Rabattverträgen herausnehmen

Den Ausschluss von starken Schmerzmitteln im Rahmen einer Schmerztherapie aus dem gesetzlich verordneten Präparateaustausch hat die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, die Ärztin und Schauspielerin Marianne Koch, in einer Petition an den Deutschen Bundestag gefordert. Diese Mittel dürften auch nicht weiter Gegenstand von Rabattverträgen sein.  Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Stefan Kapferer (FDP) reagierte ausweichend auf die Forderungen der Schmerzliga.



"Ein ausschließlich ökonomisch und nicht medizinisch begründeter Austausch bei dieser Medikamentengruppe kann den Therapieerfolg und die Sicherheit von Schmerzpatienten erheblich gefährden“, erläuterte Marianne Koch vor dem Petitionsausschuss im Bundestag  ihr Anliegen.


Seit 2007 sind Apotheker verpflichtet, bei Rezepten das verschriebene Medikament durch günstigere Präparate zu ersetzen, die den gleichen Wirkstoff enthalten und die gleiche Packungsgröße haben. Der verschreibende Arzt kann, durch Ankreuzen des sogenannten Aut-Idem-Feldes auf der Verordnung, verhindern, dass der Patient ein anderes Medikament erhält. 

Allerdings werden die Mehrkosten seinem Arzneimittelbudget zugerechnet, was bei regelmäßiger Aut-Idem-Verordnung eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach sich ziehen kann.

Koch verwies auf die besonderen Lebensumstände von chronischen Schmerzpatienten: „Niemand kann sich vorstellen, was es bedeutet ,24 Stunden am Tag Schmerzen zu haben. Das ist ein Zustand, in dem die Menschen sich wie in einem Käfig fühlen. Wenn dann eine Möglichkeit gefunden wurde, wieder am alltäglichen Leben teilzunehmen, ist das ein absoluter Glückszustand.“ 

Bis ein Patient auf ein Schmerzmittel eingestellt sei, brauche es meist mehrere Wochen, betonte die Präsidentin der Schmerzliga. Werde das Medikament gegen ein günstigeres ausgetauscht, müsse man damit wieder von vorne beginnen. „In der Praxis ist es so, dass Patienten aufgrund von Rabattverträge nicht nur einmal, sondern mehrfach umgestellt werden müssen“, ergänzte sie. Dadurch würden zugleich Einsparungen durch günstige Verordnungen wieder zunichte gemacht.

Der FDP-Politiker Kapferer versuchte für das Bundesgesundheitsministerium die Angst der Ärzte vor Regressen herunterzuspielen, die nachweislich zunehmend die wirtschaftliche Existenz  niedergelassene Mediziner gefährdet

Kapferer räumte aber ein, dass man vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums keine direkte Auskunft darüber geben könne, ob sich im Fall der starken Schmerzmittel Rabattverträge überhaupt rechneten: „Die Frage nach den Einsparungen kann auch das Ministerium nicht beantworten.“ Denn die Verträge unterlägen dem Betriebsgeheimnis der Kassen. 

Jos 

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