Dienstag, 12. April 2011

Alzheimer Gesellschaft:
Pflegebegriff auch für Demenzkranke ist überfällig

Die baldige Umsetzung eines neuen Pflegebegriffs anmahnen will die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bei einem Pflege-Dialog zum Thema Demenz. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat zu zu dem Dialog am 14.April 2011 eingeladen. Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zur derzeitigen Situation. „Pflege von Demenzkranken ist mehr als Körperpflege, Mobilität und Ernährung. Es wird Zeit, dass auch die Betreuung und Pflege von Demenzerkrankten mit ihrer speziellen Kommunikation und dem Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen ihre grundsätzliche Anerkennung in der Pflegeversicherung findet.“


Dieser Dialog zum Thema Demenz erscheint der Alzheimer Gesellschaft überfällig. Bereits im Januar 2009 hatte der vom Bundesministerium für Gesundheit eingesetzte Beirat zur Weiterentwicklung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs nach dreijähriger Arbeit einen Bericht mit Empfehlungen vorgelegt. Sabine Jansen erinnert daran, dass der Minister sich bereits mehrfach zu einer neuen Definition der Pflegebedürftigkeit bekannt habe, die auch Demenzkranke angemessen berücksichtigt. In Deutschland gibt es zurzeit etwa 1,2 Millionen Menschen, die von einer Demenz betroffen sind. Sie und ihre Angehörigen erwarten, dass jetzt etwas geschieht, das zu spürbaren Verbesserungen führt.

Schon lange, so die Alzjheimer Gesellschaft, sei bekannt, dass das Altern der Gesellschaft zu einer zunehmenden Zahl von Pflegebedürftigen und Demenzkranken führen wird. Die demographische Entwicklung sei keine Naturkatastrophe, die uns plötzlich überrollen wird, sondern eine langsam verlaufende Entwicklung, auf die die Gesellschaft sich langfristig einstellen könne.

Ähnlich wie in der Energiepolitik brauche es eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Qualität von Pflege und Betreuung und ihre Kosten in den kommenden Jahrzehnten. Sabine Jansen: „Wir sollten daran arbeiten, einen gesellschaftlichen Konsens darüber zu erreichen, dass wir in Zukunft mehr Geld für eine menschenwürdige Pflege ausgeben müssen. Schließlich haben wir alle Eltern und Großeltern, die von Pflege betroffen sein können, und letztendlich sprechen wir irgendwann über unsere eigene Pflege.“

Vielfach wäre eine effektivere Verteilung der Mittel möglich. Beispielsweise durch eine langfristige Strategie, die übergreifend auch die Schnittstellen von Pflege- und Krankenversicherung vernünftig regelt. Vor allem Prävention und Rehabilitation können Pflegebedürftigkeit verhindern, mildern und hinausschieben. Es dürfe nicht länger sein, dass die Krankenkassen Prävention und Rehabilitation verweigern, damit die Menschen in die Pflegeversicherung rutschen und die weiteren Kosten zu Lasten der Pflegekassen gehen.

Jos



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SERVICE:


Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist ein gemeinnütziger Verein. Als Bundesverband von derzeit 123 Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigen¬gruppen und Landesverbänden vertritt sie die Interessen von Demenzkranken und ihren Familien. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 – 17 10 17 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder 030 / 259 37 95-14 (Festnetztarif).

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